Viele Unternehmen haben im Zuge der Corona Pandemie innerhalb weniger Tage ihren Betrieb auf „Home Office“ umgestellt. Ein erstes Fazit aus der Unternehmenswelt: das hat insgesamt gut geklappt! Vieles was vorher von Unternehmensseite im Hinblick auf Home Office und virtuelle Zusammenarbeit kompliziert erschien, wurde pragmatisch gelöst. Pragmatismus haben auch viele Menschen im Home Office an den Tag gelegt, die sich in den zurückliegenden Wochen innerhalb kürzester Zeit eine Vielzahl an Dingen selbst beigebracht haben. Sich alleine durch die technischen Möglichkeiten eines virtuellen Kollaborationstools zu wurschteln ist ein Anfang. Dies allein befähigt jedoch lange noch nicht dazu, mit dem Tool eine Diskussion oder ein Arbeitsmeeting ergebnisorientiert steuern zu können – dies lernt man nur im Tun und zwar in der realen Situation. Und genau das haben viele Menschen getan: kaum jemand hatte einen geschützten Lernraum oder Zeit für Testläufe, das Ausprobieren erfolgte am lebenden Objekt, „live“ mit Kunden, Projektpartnern, Teams, häufig unter erschwerten Bedingungen und an der nervlichen Grenze (mit parallel Homeschooling/Kinderbetreuung). Dennoch sprechen viele Menschen über ihre wertvollen Lernerfahrungen in den zurückliegenden Wochen.

Was hat uns beim Lernen geholfen? 

Für unser neues Buch, das Mitte Juni erscheinen wird, haben wir in verschiedenen Fach- und Wirtschaftsmagazinen Anzeigen geschaltet. Dazu war es hilfreich, kollaborative Tools wie „MS Teams“ zu nutzen, um beispielsweise beim Sichten von Formaten und Anzeigenbeispielen einen Bildschirm teilen zu können. Unsere Ansprechpartner hatten zum Teil gerade ihre ersten Gehversuche mit dem Tool gemacht und testeten den Umgang damit an uns, ihren Kunden. Wir hatten durch unseren Arbeitsalltag als Berater einen Übungsvorsprung und konnten durch einige Tipps und Kniffe zum Tool das gemeinsame Arbeiten unterstützen. Uns hat dabei die Kombination aus Unbefangenheit und Selbstbewusstsein gefallen, mit der gesagt wurde: „Wir probieren das Tool erst seit einigen Tagen aus – können Sie mir sagen, wo ich jetzt klicken muss?“ Dieses Beispiel einer einfachen Anzeigenschaltung steht repräsentativ für etwas, was wir im Moment verstärkt erleben:

Eine höhere Toleranz gegenüber dem gemeinsamen Lernprozess (wozu auch gehört, dass Dinge nicht oder nicht gleich funktionieren), mehr Mut zum Experimentieren, mehr Unbefangenheit, mehr Gelassenheit, Humor und Augenzwinkern, mehr „done is better than perfect“. Dies alles hilft beim Lernen. Und mehr noch, es hilft sogar dabei, die eigene Haltung zum Lernen und die Lernkultur im Unternehmen zu verbessern, über die Corona Pandemie hinaus.

Was wollen wir beibehalten? 

Wir alle freuen uns darauf, einige Dinge loszulassen, die die Corona Pandemie mit sich gebracht hat (beispielsweise den erschöpften Zustand eines Gehirns nach acht Stunden online Meetings). Es gibt jedoch auch eine Reihe von Erfahrungen und Erkenntnissen, die wir persönlich beibehalten und nähren wollen:

  • definitiv: Humor und Gelassenheit! Wunderwaffe!
  • das verstärkte Gefühl der Verantwortung für den eigenen ständigen Lern- und Entwicklungsprozess – im täglichen Tun, jenseits von Weiterbildungen
  • den Mut zur Lücke, zum Experiment, zur Imperfektion (tun wir im agilen Arbeiten ohnehin, wollen das aber noch stärker leben)
  • die Zuversicht, dass wir (fast) alles lernen können, wenn wir uns nur genug dahinterklemmen
  • das Bewusstsein dafür, dass Lernen und das Finden kreativer Lösungen stärker von der Herangehensweise, von Geduld und von Ausdauer abhängen als von Talent
  • das sich Zeit nehmen für waches und interessiertes Beobachtung, ehrliche Reflexion und Planung – in stabilen Zeiten müssen wir die unsicheren Zeiten vorbereiten, kontinuierlich den Markt beobachten, am Puls der Bedarfe unserer Kunden bleiben, in Kontakt sein mit den Bedarfen und Bedürfnissen der Menschen.