„Machen Sie das mal wie bei Spotify…“ So manchem Projektmanager dreht sich der Magen um, wenn er diesen Satz aus der Richtung seiner Geschäftsführung hört oder liest. Selbst, wenn Sie sich bereits mit dem Thema auseinandergesetzt haben, wenn Sie Agilität leben und in ihrem Unternehmen (Bereich/Abteilung/Team) schon agile Methoden einsetzen oder eingesetzt haben, Agilität ist nichts, was sich einfach so schulen lässt. (Auch wenn Ihnen viele Consultants da gerne widersprechen mögen!) Agilität beginnt nicht mit einer Schulung – und schon gar nicht mit agilen Methoden wie Scrum oder Kanban. Agilität beginnt in einem Unternehmen immer aus einem Schmerz heraus, den die Unternehmensführung als Erste spürt.

„Mache mer eben agil…“

Für die Mitarbeiter ist es nur die nächste Sau, die man in diesem Jahr durchs Dorf treibt. Agilität! Die neue Wunderwaffe der Unternehmensführung! „Na schön…“ heißt es dann „… dann mache mer eben agil“, wie man im hessischen Dialekt so schön sagt.

Aber genau das ist es ja: WIR werden nur agil, wenn wir es gemeinsam tun! Da gibt es keine geheimen Oberstübchen, in denen die vertraulichen Süppchen der Unternehmensleitung gekocht werden, und die dann den Mitarbeitern in Form von Blaupausen präsentiert werden, die man dann eben befolgt und dann wird schon alles gut werden. Offenheit und Transparenz – zwei der zentralen Werte der Agilität – müssen zuvorderst von der Geschäftsleitung gelebt werden, damit die Mitarbeiter den Ideen folgen können! Dazu gehört auch, die Ziele und Probleme offen darzustellen, damit jeder Mitarbeiter sich darüber im Klaren sein kann, wofür er arbeitet.

Was tun wir eigentlich?

Die Erkenntnis trifft so manchen wie ein Blitz. Nach zwanzig Jahren in der Firma und einem halb abbezahlten Eigenheim stellt sich Herr Muster mit Mitte/Ende 40 die Frage, warum er seinen Job eigentlich macht? Order by Mufti – Befehle von oben – könnte man sagen. Keine Seltenheit im Konzernleben. Dabei ist genau diese Sinnfrage etwas, was die heutige Generation am stärksten antreibt. Sinnlose Arbeit verrichten möchte schließlich niemand. Eine der zentralen Qualitäten einer Unternehmensführung liegt daher nicht vornehmlich darin, den Gewinn zu maximieren, sondern dem Mitarbeiter einen Sinn zu geben. Ein gemeinsames Ziel, auf das er sich mit seinen Mitmenschen fokussieren kann.

Und für wen tun wir das?

Natürlich ist die Frage nach dem Unternehmensziel obligatorisch, wenn man im Vorfeld weiß, was das Unternehmen herstellt, oder? Oder nicht?

Wenn jemand einem Unternehmen beitritt, dann möchte dieser Mensch heute in den meisten Fällen nicht nur seine eigenen Ziele verfolgen, sondern nach Möglichkeit auch eine Perspektive haben. Schon deshalb sind Ziele in unserer heutigen Arbeitswelt essentiell wichtig. Mitarbeiterbindung erfolgt im digitalen Zeitalter nicht mehr alleine über das Gehalt oder die Aussicht auf einen sicheren Arbeitsplatz, sondern über Perspektiven und die Möglichkeiten, sich selbst zu entwickeln und einzubringen. Schema F hilft da nicht weiter.

Dann geh doch zu Spotify!

Aber auch ein simples „Überstülpen“ einer scheinbar agilen Maske wird das Unternehmen nur mit einer weiteren Blaupause versehen, die den Mitarbeitern überhaupt nichts bringt. Und dem Unternehmen schon gar nicht! Wenn Sie für ihr Unternehmen das Spotify-Modell wollen, dann sollten Sie kündigen und bei Spotify arbeiten! Oder Sie machen den Schritt hin zur Agilität mit allen Konsequenzen und „ziehen die Sache durch“. Dieser Schritt fängt am Besten ganz oben an und wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit weiter unten in Ihrer Organisation auf fruchtbaren Boden fallen. Leben Sie die Agilität vor und gehen Sie mit gutem Beispiel voran. Nur dann kann sich Agilität für Ihr Unternehmen als Vorteil erweisen.

4craft
„Dann geh doch zu Spotify!“