Arbeit ist weit mehr, als nur die Zeit, die man im Büro verbringt. Doch die Mehrheit der Arbeitnehmer kennt lediglich eben jenes eine Gefühl: Nur wenn ich am Schreibtisch und im Büro sitze, ist es wirklich Arbeit. Alles andere zählt nicht! Aber ist das wirklich so?  

Es passt gerade wunderbar in das Bild der letzten Tage: Das Büro ist nicht klimatisiert, die Ventilatoren wirbeln stetig den warmen Mief auf und schaffen kaum Abkühlung. Eine kurze Hose ist im Büro nicht erwünscht und die Schweißränder unter den Hemdsärmeln werden beständig größer. Oder vielleicht eher so: Die Klimaanlage läuft auf Hochtouren – dem einen ist es zu stickig, dem anderen zu kalt. Man kann es sowieso nie jemandem Recht machen kann. 

 Auf dem Ponyhof 

Nicht nur das Raumklima, sondern auch der Umgang im Job, das sogenannte „Commitment auf die Sache“, spielt im Arbeitsalltag eine gewaltige Rolle. Sei es nun aus der Verpflichtung seinem Arbeitgeber gegenüber heraus, der letzten Endes das Gehalt bezahlt, oder aus der oft falsch verstandenen Pflicht heraus, die man selbst in sich trägt oder die der vermeintliche Druck der Kollegen einem vorschreibt. Wer bleibt länger, ist öfter unterwegs und bietet der Organisation so die meiste Präsenz. Der Fokus auf das Ergebnis und das gemeinsame Ziel bleibt dabei oft auf der Strecke. Prozesse, Reports und Methoden rücken in den Vordergrund und würgen jeden Gedanken an selbstbestimmte Arbeit und Fokus auf ein Ziel ab. Von privaten Empfindungen und Erlebnissen ganz zu schweigen. Arbeit ist schließlich kein Zuckerschlecken und auch auf dem Ponyhof gibt es Knochenjobs. 

Unter den Linden 

Aber ich arbeite gern mit anderen Menschen zusammen – warum funktioniert das nicht innerhalb einer Organisation, so dass man trotzdem Freude und Stolz an seinem Beruf empfinden kann?  

Wie stellt es sich dar, wenn ich die Gedanken zur neuen Strategie bei einem Spaziergang an der Spree zusammenfasse? Oder mich im Schatten auf der nächsten Bank hinsetze und meine E-Mails checke? Ist es denn Arbeit, wenn ich mit dem Kollegen zum Möbelhaus fahre und dabei die nächsten Schritte beim Kunden bespreche? Ist es nicht auch Arbeit, die Abrechnungen bei einem kühlen Getränk auf der Terrasse am Sonntagnachmittag zu machen?  

In preußischen Amtsstuben 

Wir scheinen gefangen in einem System, dass noch tief die starr hierarchischen Strukturen des preußischen Beamtentums in sich trägt und dass keine Veränderung zulässt. Ich persönlich möchte nicht in der vermeintlich ewigen Tretmühle gefangen sein, den täglichen Gang ins Büro als Qual zu empfinden. Das hat nichts mit fehlendem Engagement zu tun. Mit Blick auf ein gemeinsames Ziel bin ich mehr als bereit, mich einzusetzen und auch zu arbeiten, wenn ich gerade nicht im Büro bin. Die nötige Wertschätzung meiner Kollegen und meines Teams natürlich vorausgesetzt. Denn Engagement entsteht schließlich aus Motivation, und die ist weit mehr, als nur Geld allein. 

Im Café nebenan 

Doch der Gang ins Büro muss keine Folter sein, die in der täglichen, achtstündigen Anwesenheitspflicht ihren Höhepunkt findet. Arbeit und Freizeit vermischen sich immer mehr und nichts ist so wichtig geworden, wie die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf. Aber wie lässt sich das umsetzen? Wie kann man dem Zwang alter Muster und Perspektiven entgegenwirken?  

Die Antwort kann so simpel sein, wie sie schwierig ist: Man fokussiert sich darauf, was die Firma wirklich braucht und gleichzeitig, was man selbst eigentlich in einem festgesetzten, absehbaren Rahmen leisten kann. Die anstehende Arbeit klar zu strukturieren, in kleine Pakete herunter zu brechen und abzuarbeiten, hilft dabei den eigenen Aufwand im Auge zu behalten. Transparent gemacht – z.B. auf einem Kanban-Board – hat man jederzeit den Überblick darüber, wieviel Arbeit ansteht. 

Auch Kollegen und Vorgesetzte sehen auf einen Blick, wer woran arbeitet. In einem Daily-MeetUp darüber kurz zu sprechen, hält alle auf einem Stand – wichtig ist nur, dass am Ende die Arbeit getan ist. Ob im Café nebenan oder am Schreibtisch – es bleibt Arbeit.  

In Raum und Zeit 

Agiles Arbeiten klingt sehr einfach und nach einer Menge Spaß. Das ist es auch – aber es erfordert Mut, Vertrauen und Verantwortung. Mut für den Vorgesetzten, seine Mitarbeiter nicht bei jeder Kleinigkeit zu kontrollieren, sowie für die Mitarbeiter, eigene Entscheidungen zu treffen. Vertrauen von allen Seiten, dass jeder sein Bestes zur Zielerreichung gibt, und die Verantwortung für das eigene Handeln und die Zukunft der Firma übernimmt. Denn – sind wir doch mal ehrlich – es ist niemals der Chef, der unser Gehalt zahlt – es ist am Ende immer unser Kunde! Ob durch ein Produkt oder eine Dienstleistung spielt dabei in erster Linie keine Rolle.  

Warum sollte man nicht auch in der heutigen, modernen Zeit in seinem Job noch den Stolz eines Handwerkers spüren, der sein Herzblut in seine Aufgabe gegeben hat? Schließlich ist es gerade diese Überzeugung, die Eigenverantwortung erst möglich macht und ausreichend Vertrauen schafft, damit das Team selbstständig arbeiten kann. So spürt man wieder den Sinn in seiner Tätigkeit, ohne sich selbst zu überlasten und ohne Schmerz. Arbeiten darf nicht sinnlos sein, Arbeiten sollte sich gut anfühlen. Mit einem Satz: Arbeiten muss nicht weh tun!