Vom Management zusammen in einen Raum geschubst zu werden, um das neue Produkt dann mal „agil“ zu machen, ist selten von Erfolg gekrönt. Schon in der Vorbereitung eines Scrum-Teams gibt es einiges zu beachten. 

Der Schlüssel zum erfolgreichen Aufsetzen eines Scrum-Teams ist die Rolle des Product OwnersDiese Rolle ist anfangs zu besetzen – wichtig: der Product Owner muss eine Person sein, die mit Leidenschaft hinter dem neuen Produkt steht. Bis zum Kick-Off steht er im Zentrum aller Entscheidungen – auch die der Teamzusammensetzung.  

Schritt 1: Scrum Master 

Was wäre ein Product Owner ohne seinen Scrum Master? Ein erfahrener, im Unternehmen gut vernetzter Scrum Master kann den Product Owner methodisch unterstützen und ihm Halt in seinen Entscheidungen geben. Je früher der Scrum Master in das Team eingebunden wird, desto besser kann dieser später Hindernisse beseitigen, das Team weiterentwickeln und das unternehmerische Umfeld coachen. Sobald ein Scrum Master gefunden ist, ist er enger Sparringspartner des Product Owners für alle weiteren Schritte. 

Schritt 2: Product Vision 

Der Product Owner ist verantwortlich für den wirtschaftlichen Erfolg des Produktes. Daher beschreibt er das Vorhaben sowie Ziele und den Kundennutzen in einer Product Vision. Diese beschreibt das Endprodukt und welche Probleme damit gelöst wurden. 

Eine klare und inspirierende Vision hilft nicht nur das Umsetzungsteam zu motivieren, sondern auch Stakeholder, Kunden und Nutzer. 

Schritt 3: Stakeholder 

Für den Product Owner ist es wichtig die Interessen der Stakeholder zu kennen. Denn über den gesamten Projektverlauf muss er mit diesen effektiv zusammenarbeiten, um den Wert des Produktes zu maximieren. Stakeholder können Kunden, Nutzer, Vorgesetzte und auch Kollegen sein. Diese zusammen mit dem Scrum Master bereits jetzt zu identifizieren ist notwendig, um herauszufinden, was genau von dem Produkt erwartet wird, aber auch was die Stakeholder für das Scrum-Team tun können. 

Schritt 4: Anforderungen 

Die inhaltliche Arbeit des Product Owners kann beginnen. Jetzt werden von den Stakeholdern erste Anforderungen an das Produkt eingesammelt. Anforderungen sind nicht definiert und können in Form, Umfang und Priorität stark schwanken. Dennoch sammelt der Product Owner alle Ideen zu Funktion, Verbesserung, Aussehen und Mehrwert ein. 

Schritt 5: Product Backlog 

Aus den gesammelten Anforderungen kann nun ein initiales Product Backlog erstellt werden. Erste Anforderungen werden in sprintgerechte Größe geschnitten und als Nutzergeschichte formuliert. Dabei ist es wichtig den inkrementellen Ansatz agiler Entwicklung nicht aus den Augen zu verlieren. 

Schritt 6: Skills 

Kennt der Product Owner die anstehenden Aufgaben und weiß um die Anforderungen an das Endprodukt, kann er zusammen mit dem Scrum Master die Fähigkeiten des Umsetzungsteam formulieren. Welche fachlichen Kenntnisse sind erforderlich, um die im Product Backlog formulierten Aufgaben teamintern zu bearbeiten? Welche Fähigkeiten ergänzen sich? Welche Eigenschaften bereichern das Scrum-Team? 

Schritt 7: Umsetzungsteam 

Mit einer motivierenden Vision, einem initialen Product Backlog und identifizierten Fähigkeiten und Kenntnissen im Gepäck können Product Owner und Scrum Master gemeinsam auf die Suche nach geeigneten Teammitgliedern gehen, die bereit sind das Produkt gemeinsam als Team zu entwickeln und voranzubringen. Dabei bedarf es der Unterstützung der gesamten Organisation, allen voran von Vorgesetzten und Kollegen. Denn Kapazitäten der zukünftigen Teammitglieder müssen freigegeben und bisherige Aufgaben anderweitig verteilt werden. 

Schritt 8: Kick-Off 

Das Team ist rekrutiert und die ersten Inhalte formuliert. Das Scrum-Team kommt das erste Mal zusammen. Neben der Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses zu Vision, Stakeholdern und Backlog ist es auch wichtig, alle Teammitglieder auf den gleichen Stand zur Arbeitsmethodik Scrum zu bringen. Hierfür empfiehlt sich ein kurzes Training oder eine Auffrischung des agilen Arbeitens und der Methodik. Gemeinsam legt das Scrum-Team die Meetings, wie die Uhrzeit für das Daily Standup und die Sprintlänge fest und entwickelt Regeln für die Zusammenarbeit. Für den Kick-Off sollte mindestens ein ganzer Tag eingerechnet werden. Zum Abschluss führt das Scrum-Team ihr erstes Sprint Planning durch und kann am nächsten Tag direkt mit der Arbeit beginnen.  

Und was ist jetzt so schwer daran? 

In den wenigsten Unternehmen wird sich die Zeit für eine saubere Vorbereitung genommen. Meist wird ein Product Owner benannt und diesem eine Gruppe von Leuten zugewiesen, die nach Meinung des Managements „die relevanten Abteilungen vertreten“, um das Produkt zu entwickeln. Die Rolle des Scrum Masters wird häufig vernachlässigt und somit auch die professionelle Teamentwicklung. 

Die Energie, die aufgewendet werden muss, um aus einer Gruppe von Menschen während der laufenden Sprints ein Team zu machen, ist sehr hoch. Diese kann man sich sparen, indem man eine solide inhaltliche Basis über das initiale Product Backlog schafft und Teammitglieder mit dem gleichen Verständnis und dem Willen zum agilen Arbeiten zusammenführt.