Nicht bei einer ernsthaften Umsetzung! Kanban ist eine „Veränderungsinitiative“ und funktioniert über den kontinuierlichen Prozess der Verbesserung. Das braucht Zeit. Kurz ausprobieren zeigt weder die Potentiale noch die Effekte. 

In unserem Blogartikel „Was kann Kanban? Kann Kanban was?“ haben wir vorgestellt, was hinter Kanban steckt und wann es sinnvoll eingesetzt werden kann. In der Zusammenarbeit mit unseren Kunden kommt bei der Betrachtung der geeigneten Methode immer mal wieder die Frage, ob man Kanban nicht einfach mal kurz ausprobieren könne. Schließlich braucht man dazu doch nur ein Board, auf dem die Arbeiten des Teams transparent gemacht werden. 

Kanban ist mehr als nur ein Board 

Die Visualisierung des Arbeitsflusses über ein Board ist schon mal ein guter Anfang. Durch den Fokus auf die Wertschöpfungskette und die Abbildung des aktuell gelebten Prozesses, können bereits Erkenntnisse gewonnen werden. Aber so werden weder bestehende Probleme gelöst, noch führt es zu Verbesserungen. Denn das ist das Ziel! Dazu müssen weitere Kanban-Praktiken ihre Anwendung in der täglichen Arbeit finden: 

  • Begrenze die Menge der parallelen Arbeit. Der Grundsatz lautet dabei, nicht mehr Aufgaben zu starten, als abgeschlossen werden können. 
  • Messe und manage den Arbeitsfluss. Je stabiler und vorhersagbarer ein System ist, desto zuverlässiger können Aussagen über die Lieferfähigkeit gemacht werden. 
  • Mache Prozessregeln explizit.  
  • Optimiere das System durch Feedback und kontinuierliche Verbesserung. Kommunikation ist dabei einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für Kanban. 

Dieses Vorgehen wird nur bei konsequenter Umsetzung vielfältige Themen, Probleme und Schwachstellen im bestehenden System offenlegen. Einige davon kann das Team selbst angehen, andere betreffen das Gesamtsystem und müssen an anderen Stellen in Angriff genommen werden. 

Kanban ist keine Teammethode 

Dies ist spätestens der Zeitpunkt, an dem ein Team und auch die Organisation erkennen muss, dass Kanban keine Teammethode ist. Ein Team ist immer nur ein Teil eines großen Ganzen. Um Wert für den Kunden liefern zu können, müssen nicht einzelne Teile optimiert werden, sondern die Interaktionen zwischen den einzelnen Teams gemanagt werden. Nur so können die richtigen Dinge zur richtigen Zeit angegangen werden, um den Kunden bestmöglich bedienen zu können. 

Kanban fängt beim Management an 

Wenn also Prozesse im Hinblick auf den Wertstrom innerhalb einer Organisation optimiert werden sollen, dann ist es die Aufgabe des Managements, die zu erreichenden Ziele vorzugeben. Ob Verkürzung der Time to Market, Steigerung der Lieferfähigkeit oder Produktverbesserungen, all diese Ziele haben Einfluss auf die Richtung der Optimierungen und den Fokus der Organisation. 

Der Grundsatz „Stop startingstart finishing“ ist auf Management-Ebene noch wichtiger, als auf Teamebene. Deshalb kann man Kanban nicht mal eben kurz ausprobieren. Vielmehr braucht es eine konsequente Umsetzung, um die erhofften Effekte erzielen zu können.