Design Thinking ist in aller Munde. Wilde Ideen, verrückte Perspektiven, auch mal ein „auf die Nase fallen“: Was Design Thinking ist und was es nicht ist, darum geht es im folgenden Blogbeitrag.

Design Thinking ist kein neues Konzept

Wie lernen wir Fahrrad fahren? Zuerst beobachten wir es bei anderen und starten dann unsere ersten eigenen Versuche. Wir testen aus, wie man das Pedal tritt, den Lenker festhält und schlussendlich das Gleichgewicht hält. Dass wir dabei am Anfang immer wieder fallen und neuen Mut fassen müssen, es noch einmal zu probieren, gehört dazu. Das Einzige was aber zählt ist: am Ende fahren wir – trotz zahlreicher Rückschläge und blutender Knie. Und genauso funktioniert Design Thinking. Einfach mal ausprobieren, experimentieren und Feedback einholen. In iterativen Schleifen wird eine Lösung für den Nutzer gesucht. Dabei ist die erste nicht die beste Lösung und die beste Lösung nicht das Ziel. Wichtig ist, dass die Lösung funktioniert, beim Nutzer ankommt und ihm hilft. Perfektionismus Ade!

Design Thinking ist eine Kreativitätstechnik

Design Thinking ist eine in Standford entwickelte Methode, um echte und herausragende Innovationen in interdisziplinären Teams zu schaffen. Probleme und Bedürfnisse der Nutzer werden dabei in kreativen, aber strukturierten Arbeitsprozessen verstanden. Besonders ist, dass Teams mit Hilfe von unterschiedlichen Kreativitätstechniken viele verschiedene Lösungen erarbeiten und ausprobieren können. Ausgearbeitete Prototypen können dabei direkt im Markt getestet werden.

Design-Thinking-Prozess

Der Design Thinking Prozess ist in 6 Phasen gegliedert. Im Problemraum (Phase 1 – 3) geht es um das Eintauchen in die Welt des Nutzers. Zunächst wird in der ersten Phase Verstehen ein gemeinsames Verständnis der Aufgabe und des Problems geschaffen. Die Teammitglieder werden zu Experten, richten sich einen gemeinsamen Arbeitsplatz ein und definieren eine gemeinsame Projektvision, zu deren Erfüllung sich alle Teammitglieder verpflichten. In der Phase Beobachten wird dann Empathie für die Lebenswelt des Nutzers aufgebaut. Durch Beobachten und Befragen gewinnen Teammitglieder eine Einsicht in das Problem und erlangen ein besseres Verständnis durch Hineinversetzen in die Situation. Daraufhin kann in der Phase Sichtweise definieren die Recherche auf den Punkt gebracht und gemeinsam ein Gesamtbild erstellt werden. Im Prozess geht es nun in den Lösungsraum (Phase 4 – 6) über, in dem Ideen und Lösungen zu dem identifizierten Problem gefragt sind. Die Phase Ideen finden hat das Ziel, eine Vielzahl von Ideen zu entwickeln und zu strukturieren, aus denen dann die vielversprechendsten in Hinblick auf Attraktivität, Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit ausgewählt werden. Daraus wird ein testfähiger Prototyp entwickelt, um die Lösung schnell für den Nutzer erlebbar zu machen. In der letzten Phase Testen wird der Prototyp zum ersten Mal der Nutzergruppe präsentiert: Getreu dem Motto „Fail fast, Fail cheap“ wird bei der Zielgruppe Feedback über den Prototypen eingeholt, um mehr über den Nutzer und seine Bedürfnisse zu lernen und Verbesserungen oder Alternativen zur entwickelten Lösung zu erkennen.

Design Thinking ist eine Einstellung

Design Thinking kann richtig viel Spaß machen! Wichtiger als die einzelnen Tools und Techniken ist die richtige Einstellung. Dabei gilt: Empathie statt Empirie. Verschiedene Perspektiven einzunehmen, außergewöhnliche Ideen zuzulassen und auch mal zu scheitern, gehört einfach dazu und ist ausdrücklich erwünscht! Mit der richtigen Mischung aus Verrücktheit und Mut können innovative und individuelle Lösungen entstehen. Grundregel dabei ist, in Nutzen zu denken.

Für Design Thinking musst du kein Designer sein

Design Thinking hat mit Design im klassischen Sinne wenig zu tun. Der Einsatz lohnt sich für all jene, die ein Problem verstehen und analysieren wollen, offen für neue Lösungen sind und sich auf Nutzer einstellen möchten. Dabei ist es egal, ob Manager, Ingenieure, Organisationsentwickler, Informatiker, Techniker oder Handwerker kreative Lösungen entwickeln.

Design Thinking eignet sich kurz gesagt, wenn

  • Organisationen nach neuen Produkten und Lösungen suchen.
  • Zunächst die Bedürfnisse der Kunden verstanden werden sollen.
  • Die Anforderungen und deren Umsetzung völlig unbekannt sind.
  • Ein Fokus auf den externen Markt und externe Kunden gelegt werden soll.
  • Organisationsinterne Veränderungsmaßnahmen mit Mitarbeitern gestaltet werden sollen.