„Dieses Scrum“ ist keine ganz neue Erfindung. Bereits in den 1990er Jahren setzten die Softwareentwickler Jeff Sutherland und Ken Schwaber, inspiriert durch die japanischen Ökonomen Ikujirō Nonaka und Hirotaka Takeuchi, ein erstes Projekt nach Scrum um.

Ken Schwaber schrieb dazu: „Scrum akzeptiert, dass der Entwicklungsprozess nicht vorherzusehen ist. Das Produkt ist die bestmögliche Software unter Berücksichtigung der Kosten, der Funktionalität, der Zeit und der Qualität.“

Der Begriff Scrum ist eine aus dem Rugby stammende Analogie für außergewöhnlich erfolgreiche Teamarbeit. Die Teams arbeiten als kleine, selbst-organisierte Einheiten und bekommen von außen nur eine Richtung vorgegeben, bestimmen aber selbst, wie sie ihr gemeinsames Ziel erreichen. Dadurch bekommen Entwicklungsteams den nötigen Freiraum, um ihr Wissens- und Kreativitätspotenzial voll auszuschöpfen.

Warum wird dieses Scrum in so vielen großen und renommierten Unternehmen eingesetzt?

Die Digitalisierung, die Globalisierung und auch der demographische Wandel führen zu einer Veränderung der Arbeitswelt. Branchen vernetzen sich und lassen neue Märkte entstehen. Ideen werden nicht mehr von Spezialisten entwickelt, sondern kommen aus einem lebendigen Kollektiv, dessen wissen sich kontinuierlich weiterentwickelt. In Unternehmen werden jedoch noch Arbeitsweisen, Führungsinstrumente und Organisationsformen aus dem Zeitalter der Industrialisierung eingesetzt. Die Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts benötigt neue Werkzeuge um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Scrum ist eine Methode des agilen Arbeitens und nicht mehr nur auf die Softwareentwicklung beschränkt. Längst hat das Framework Einzug in die Hardwareentwicklung gehalten. Denn komplexe Herausforderungen macht Scrum durch die Kombination von Stabilität und Flexibilität beherrschbar.

Kurz gesagt: Scrum eignet sich, wenn

  • Produkte früh an den Markt gebracht werden sollen.
  • die Qualität der Ergebnisse steigen soll.
  • Kunden und Partner in der Realisierung einzubeziehen sind.
  • das Lernen im Team während der Realisierung erwünscht ist.
  • akzeptiert ist, dass sich die Anforderungen während der Entwicklung weiterentwickeln werden.

Kurze Zyklen, regelmäßige Lieferung von Ergebnissen und kontinuierliche Einbindung von Stakeholdern ermöglichen ein wirkungsvolles Change-Management.

Und was ist jetzt so schwer daran?

Ein oder mehrere Scrum-Teams an den Start zu bringen, stellt das ganze Unternehmen vor neue Herausforderungen. Nicht nur die Teams müssen herausfinden, was es heißt sich selbst zu organisieren und Verantwortung zu übernehmen, sondern auch Vorgesetzte und Manger müssen lernen Mitarbeiter zu befähigen selbst Entscheidungen zu treffen.

Das hat einen Wandel von jahrzehntelang gewachsener Unternehmenskultur zur Folge. Scrum kann nur als Rahmenwerk dienen, welches von den Teams und der gesamten Organisation mit Leben gefüllt werden muss. Gerade in der ersten Phase der Veränderung entstehen viele Unsicherheiten und die Entwicklung hin zu einem stabilen agilem Team braucht Zeit.

Die Einführung der Methode Scrum braucht nicht mehr als einen Tag aber damit ist es nicht getan. Die Optimierung der Arbeitsprozesse unterliegt einer ständigen Anpassung und erst dann kann sich aus einem Haufen zusammengewürfelter Personen ein Team entwickeln, dass mit all seinen Mitteln ein klares Ziel verfolgt.